Grundlagen der Sozialphilosophie und der Geschichtsphilosophie
Politische Philosophie
Liberale Demokratie, Menschenrechte und Würde der Persönlichkeit
Die Idee der Menschenrechte. Bekanntlich kommt es im Totalitarismus zu einer Nivellierung der Persönlichkeiten. So geriet das menschliche Ich unter dem Dampfwalzen des Stalinismus und dem Druck der Repressionen an die letzte Stelle in unserem Volksbewusstsein, obwohl das Ich in der altrussischen Sprache nicht der letzte Buchstabe war, da das Alphabet mit „As“ – „Ich“ begann. In der liberal-demokratischen Gesellschaft ist die Idee der Rechte des Menschen als Bürger für jeden äußerst wertvoll. Die Menschenrechte weisen auf die Unbedingtheit, auf ein unveräußerliches Merkmal des Rechtssubjekts hin, d. h. auf etwas, woraus alle Anforderungen wahrer Gerechtigkeit mit innerer Notwendigkeit folgen. Der Bürger besitzt Rechte auf Leben, auf Arbeit, auf den Schutz seiner Persönlichkeit, auf Obdach, auf Gedanken- und Redefreiheit und andere.
„Im Staat ist der Geist des Volkes – die Sitten, die Gesetze – das herrschende Prinzip. Hier wird der Mensch anerkannt und mit ihm als vernünftigem Wesen, als freiem, als Persönlichkeit umgegangen; und jeder Einzelne macht sich seinerseits dieser Anerkennung würdig... gegenüber anderen verhält er sich so, wie sich alle zu verhalten haben – er erkennt sie als das an, als was er selbst anerkannt werden möchte, d. h. als freien Menschen, als Persönlichkeit. Im Staat erhält der Bürger die ihm gebührende Ehre durch das Amt, auf das er gesetzt ist, durch den Beruf, dem er nachgeht, und durch jede andere Arbeitstätigkeit. Seine Ehre erhält infolgedessen... einen objektiven, von bloßer Subjektivität nicht mehr abhängigen Inhalt.“
Man sollte das Schicksal des Volkes nicht vom Schicksal des Einzelnen trennen, die Entwicklung des Staates nicht von der Vervollkommnung jedes Einzelnen, auf dem der Staat aufbaut, von dem er gestützt wird und aus dem er letztendlich besteht, denn die Würde des Staates hängt letztendlich von der Würde der ihn bildenden Persönlichkeiten ab.
Über die Würde der Persönlichkeit. Die hohe Würde des Menschen besteht darin, frei zu sein. Dies ist nach Georg Wilhelm Friedrich Hegel die Gewähr dafür, dass der Heiligenschein verschwindet, der die Häupter irdischer Unterdrücker und Götter umgibt. Die Philosophen beweisen diese Würde, die Völker werden lernen, sie zu empfinden, und dann werden sie nicht mehr ihr in den Schmutz getretenes Recht einfordern, sondern es einfach zurücknehmen, es sich aneignen. Der Geist der liberalen Demokratie erzeugt in den Menschen ein Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Selbstachtung. Die Ausweitung der Demokratie steht im Einklang mit dem Recht der Persönlichkeit auf eine vernünftige Willensäußerung ihres menschlichen Wesens, auf geistige Zufriedenheit, das Gefühl der Freiheit und das Gefühl der eigenen Würde der Bürger, die aus der Teilnahme an den gemeinsamen Angelegenheiten des Staates entstehen. Die Persönlichkeit hat nach den Worten Karl Jaspers' solche Ansprüche: auf Schutz vor Gewalt und auf die Bedeutsamkeit ihrer Überzeugungen und ihres Willens. Den Schutz gewährt ihr der Rechtsstaat, die Bedeutsamkeit ihrer Anschauungen und ihres Willens die Demokratie. Zur Unantastbarkeit der Rechte des Menschen als Persönlichkeit gesellt sich sein Recht auf Teilnahme am Leben der Gesellschaft. Daher ist Freiheit nur in der Demokratie erreichbar, d. h. bei der für alle möglichen Teilnahme an der Willensäußerung. Jeder Mensch kann, je nach dem Grad seiner politischen Reife und der Überzeugungskraft seiner Ansichten, auf Anerkennung rechnen. Aber Niccolò Machiavelli hatte Recht, als er behauptete, dass politische Freiheit das Vorhandensein einer gewissen Art persönlicher Tugend bei den Bürgern voraussetze.
Somit setzen die Prinzipien der wahren Demokratie als unabdingbare Bedingung die Idee der Vorrangstellung der menschlichen Vernunft, eines vernünftigen Weltverständnisses und die Vorstellung von der prometheischen, d. h. schöpferischen, Bestimmung des Menschen voraus. Die demokratische Staatsordnung, die den Menschen als selbstständigen, höchsten Wert anerkennt, setzt einen behutsamen Umgang mit seiner Würde, die Anerkennung seines Rechts auf Initiative und den Glauben voraus, dass der freie Mensch imstande ist, eine freie Wahl zu treffen. Das Vertrauen in die Vernunft des Menschen und seine Freiheit stellt ein wichtigstes Prinzip der Demokratie dar.
Über den Autor
Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
Der Inhalt basiert auf akademischen Quellen in mehreren Sprachen — darunter ukrainische, russische und englische Universitätslehrbücher sowie wissenschaftliche Ausgaben zur Geschichte der Philosophie. Die Texte wurden aus den Originalquellen ins Deutsche übertragen und redaktionell bearbeitet. Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung inhaltlich und didaktisch geprüft.
Zuletzt geändert: 12/10/2025