Zeit und Ewigkeit
Allgemeine Vorstellungen zu Theorien von Zeit und Ewigkeit und zwei demonstrative Beispiele
Zeitarten; Ewigkeit als besondere Zeitart; Parmenides und Platon als Begründer der Lehre der Ewigkeit
Ewigkeit wird als besondere Art der Zeit verstanden. Wenn von Ewigkeit und Zeit die Rede ist und eines dem anderen gegenübergestellt wird, wird aus dem, was „Zeit“ genannt wird, natürlich die Ewigkeit ausgeschlossen. Die Begründer der Lehre der Ewigkeit sind Parmenides und Platon.
Platon (429/427–347 v. Chr.) unterscheidet zwei Zeitarten: die Zeit unserer Welt, des Kosmos, und die Zeit der Ideenwelt. Letztere bezeichnet er als Ewigkeit. Worin unterscheidet sich die Zukunft vom „Jetzt“? Daran, dass in der Zukunft etwas anders sein wird als im „Jetzt“. Aber wäre das Sein in der Zukunft dasselbe wie das Sein im Jetzt, wäre das „Jetzt“ dann nicht bereits Zukunft? Analog dazu: Worin unterscheidet sich die Vergangenheit vom „Jetzt“? Daran, dass in der Vergangenheit etwas anders war als im „Jetzt“. Aber wäre das Sein in der Vergangenheit dasselbe wie im Jetzt, wäre das „Jetzt“ dann nicht noch Vergangenheit? Wenn es also keinen Unterschied im Sein gäbe, lebte der Mensch im „Jetzt“ zugleich auch in Vergangenheit und Zukunft.
Man kann sagen, dass der Ausdruck „dasselbe“ nicht Identität (Gleichheit in allen Aspekten des Seins) bedeutet, sondern Gleichheit nur in bestimmten Aspekten des Seins. So sagt man etwa, dass Peter dasselbe sei wie Johann, wenn beide gleich geschickt im Bogenschießen sind oder in ähnlichen Situationen gleich reagieren. Wir wissen jedoch genau, dass Peter nicht identisch mit Johann ist – es sind unterschiedliche Menschen. Folglich könnte jemand einwenden: Ja, das Sein von morgen kann dasselbe sein wie das Sein im Jetzt, abgesehen davon, dass morgen die Zeit später ist. Das Sein von morgen wird also nie völlig identisch sein mit dem Sein im Jetzt – es wird ihm nur ähnlich sein, das Gleiche in allem außer dem zeitlichen Aspekt.
Eine solche Antwort entspricht der newtonschen Zeitkonzeption: „Absolute“ Zeit fließt unabhängig vom Raum und den darin befindlichen Dingen, selbst wenn „nichts geschieht“, also wenn die Dinge im Raum „gefroren“ sind. Die Relativitätstheorie jedoch zeigte die enge Verbindung von Bewegung und Masse der Objekte einerseits und dem Zeitfluss andererseits. Die Frage, ob Raum und Zeit ohne materielle Objekte existieren könnten, ist daher nicht trivial. Zeit ist eng mit Bewegung und Veränderung verbunden – also mit bewegten und veränderlichen Objekten. Die Annahme, dass das Fehlen von Bewegung und Veränderung eine „Einfrierung“ der Zeit oder das Fehlen von Zeit bedeutet, ist daher nicht unsinnig.
Bei Platon existieren die Ideen in der Ideenwelt ewig und unveränderlich; alles ist immer identisch mit sich selbst. Alles befindet sich dort „auf dem Höhepunkt der Vollkommenheit“; Veränderung in dieser Welt bedeutet Abstieg von diesem Höhepunkt – also Verlust der Vollkommenheit, Hinabgleiten ins Unvollkommene, Degradierung. Wenn man das Sein der Idee auf unsere Welt „projiziert“, erhält man das Sein der Idee als Projektion, unveränderlich in allen Aspekten – außer dass diese Projektion zeitlich von Vergangenheit zu Zukunft wandert. Auf Grundlage solcher Überlegungen hält Platon die Ideenwelt für zeitlos im Sinne von Vergangenheit oder Zukunft; es gibt nur die Gegenwart, ein „Jetzt“, in dem alles ewig und unveränderlich existiert. Platon verwendet für diese Gegenwart den Begriff „Ewigkeit“.
Die platonische Ewigkeit ist, betont sei es, keine Maßzahl der Zeit, also kein unendlich dauernder Zeitabschnitt, sondern eine besondere Zeitart. In unserer sinnlich wahrnehmbaren Welt ist Zeit eine Art mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, während die Zeit der Ideenwelt – die Ewigkeit – ohne Vergangenheit und Zukunft nur mit einem einzigen „Jetzt“ existiert. In dieser Ewigkeit bleiben die Ideen unveränderlich und immer sich selbst identisch.
Die Überlegungen Platons zur Ewigkeit sind klar und die Ausgangspunkte transparent. Eine Hypothese aufzustellen ist das eine, sie mathematisch konsistent zu modellieren etwas anderes. Später übernahmen jüdische Philosophen, insbesondere Philo von Alexandria, und die Christen die platonische Lehre der Ewigkeit. Die Ewigkeit wird fast dogmatisiert, jedoch ohne mathematische Modellierung. Bis Lobatschewski, Lorentz, Poincaré, Einstein und Minkowski war ein solches Modell ohnehin unmöglich. Platon bleibt stets Philosoph, dessen Aussagen von anderen Philosophen hinterfragt werden können.
Vorgänger Platons in der Idee der Ewigkeit war Parmenides (ca. 540/515–470 v. Chr.). Seine Lehre basiert auf zwei Prinzipien: „Sein ist, Nichtsein ist nicht“ und „Entstehung ist nur aus Nichtsein möglich, Vernichtung nur durch Rückkehr ins Nichtsein“. Das erste Prinzip gilt ihm als sicherste Erkenntnis des Verstandes; vermutlich ebenso das zweite. Kombiniert man die beiden Prinzipien, folgt, dass im Sein (im Allseienden) weder Entstehung noch Vergehen existieren – was wir für solche Erscheinungen halten, ist Täuschung. Fehlen von Entstehung und Vergehen bedeutet Unveränderlichkeit und folglich keine Bewegung.
Parmenides argumentiert, dass Vielfältigkeit nur dann existiert, wenn die Teile durch Nichtsein getrennt sind. Aber es gibt kein Nichtsein. Folglich gibt es in Wirklichkeit keine Vielheit von Dingen; das, was wir als Vielheit wahrnehmen, ist Täuschung. Unveränderlichkeit gilt sowohl in der Zeit als auch im Raum. Die Welt ist homogen, einheitlich und identisch mit sich selbst – ohne quantitative oder qualitative Unterschiede. Sie ist in einem „zeitlosen“ Zustand, nur das Jetzt existiert.
Unsere Sinne täuschen, doch der Verstand liefert zuverlässige Erkenntnis, daher muss die Vernunft über Sinneswahrnehmung siegen. Parmenides misstraut der sinnlichen Erfahrung; nur der Verstand kann die wahre Natur des Seins erfassen.
Man unterscheidet zwei Zeitarten: (i) gewöhnliche Zeit mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, untrennbar verbunden mit Bewegung und Veränderung; sie bildet den Fluss der sichtbaren Welt; (ii) Ewigkeit – Zeit ohne Vergangenheit und Zukunft, nur mit einem einzigen Jetzt, in dem alles unveränderlich existiert. Ewigkeit ist somit keine unendlich lange Zeit, sondern eine besondere Zeitart.
In der gewöhnlichen Zeit gibt es viele „Jetzt“, eines davon konstituiert die Gegenwart, andere beziehen sich auf Vergangenheit oder Zukunft. Oft nimmt man an, dass Gott oder ein höheres Prinzip in der Ewigkeit lebt, während die Welt in der gewöhnlichen Zeit existiert. Daraus ergibt sich die Frage, wie das Jetzt der Ewigkeit auf die Vielzahl der Jetzt der Zeit projiziert wird und umgekehrt.
Es gibt noch eine dritte Zeitart, die man als „Zeit der Urmaterie“ bezeichnen kann. Man kann sich zwei mathematische Räume vorstellen: einen zweidimensionalen, eingebettet in einen dreidimensionalen. Ein Maß in 2D steht für Zeit, das andere für Raum; in 3D steht ein Maß für Raum, zwei für Zeit. Das Modell zeigt, dass Zeit mehrdimensional sein kann. Ein Raum-Zeit-Kontinuum (1 Raum, 1 Zeit) ist in einem anderen (1 Raum, 2 Zeiten) eingebettet. Das physische System mit weniger Dimensionen kann in einem größeren eingebettet sein – das größere System nennt man Hyperwelt, die Zeit des größeren Systems Hyperzeit.
Stellt man zwei nicht überlappende Bereiche des Seins vor, in denen der erste den zweiten beobachten kann, so können diese Bereiche unterschiedliche physische Gesetze und Zeit- und Raumeigenschaften haben. Mathematisch betrachtet hat der erste Bereich 1 Raum- und 2 Zeitdimensionen, der zweite 1 Raum- und 1 Zeitdimension. Auch ohne räumliches Einbetten nennt man die Zeit des größeren Bereichs Hyperzeit in Bezug auf die Zeit des kleineren Bereichs, da man aus dem ersten Bereich das Jetzt des zweiten beobachten kann.
Betrachten wir ein geometrisches Beispiel: Jedem Punkt auf der Abszissenachse eines kartesischen Koordinatensystems kann eine senkrechte Linie zur Abszissenachse eines anderen kartesischen Koordinatensystems zugeordnet werden. In diesem Beispiel entspricht der Punkt, dem die Linie zugeordnet wird, dem „Jetzt“ der eindimensionalen Zeit, und die zugeordnete Linie dem „Jetzt“ der zweidimensionalen Zeit. Wie klar ist, ist auch die umgekehrte Zuordnung möglich. Genau diese umgekehrte Zuordnung interessiert uns: Sie ist das Analogon dazu, wie das „Jetzt“ der zweidimensionalen Hyperzeit dem „Jetzt“ der eindimensionalen Zeit zugeordnet wird.
Wenn man Ewigkeit als eine höhere Zeit (also eine besondere Zeitart) im Vergleich zu anderen Zeitarten betrachtet, dann kann, offenbar, diese Ewigkeit, sofern man von ihr aus beobachtet, was in der Zeit geschieht, ebenfalls als Hyperzeit im Verhältnis zur Zeit der Welt bezeichnet werden, die beobachtet wird. Es ist klar, dass in diesem Fall keine Einbettung der Zeit in die Ewigkeit möglich ist: Eine Einbettung würde bedeuten, dass die Zeit Teil der Ewigkeit sein müsste; aber Zeit kann kein Teil der Ewigkeit sein, und umgekehrt – allein deshalb nicht, weil die Zeit (der Zeitfluss) fließt, während die Ewigkeit unbeweglich, unveränderlich und absolut ist. Wenn Zeit einem fließenden Fluss gleicht, ist Ewigkeit ein Teich mit stehendem Wasser, in den nichts ein- oder ausfließt.
Unser raum-zeitlicher Kontinuum ist ein dreidimensionaler Raum mit eindimensionaler Zeit (insgesamt vier Dimensionen). Folglich wäre die Hyperwelt mit Hyperzeit, die die geringste Dimension besitzt, in die unsere Welt eingebettet werden könnte, eine Welt, die in einem fünf-dimensionalen Raum existiert, mit drei Raum- und zwei Zeitdimensionen. Wenn unsere Welt in eine Hyperwelt mit vier Raum- und zwei Zeitdimensionen eingebettet ist, können wir analog zur Hyperzeit auch von Hyperraum im Verhältnis zu unserem Raum sprechen. Der Begriff des Hyperraums hier ist mathematisch-geometrisch zu verstehen und nicht mit dem „wissenschaftlich-fantastischen Hyperraum“ zu verwechseln, obwohl Reisen durch ihn stark an „Wurmlochreisen“ erinnern, bei denen der Raum lediglich gekrümmt wird.
Wenn man durch ein „Wurmloch“ reist, verlässt man nicht den eigenen Raum, sondern reist in ihm, jedoch stark gekrümmt. Man betritt also keinen Hyperraum im hier verwendeten Sinne. Zeit kann, wie der Raum, gekrümmt sein: Betrachten wir die oben erwähnte Hyperwelt. In einer ersten Näherung erscheint Zeit für uns als gerade Linie in einer mathematischen/geometrischen Modellvorstellung. Aber was, wenn unsere eindimensionale Zeit, betrachtet aus der Hyperwelt mit ihrer zweidimensionalen Hyperzeit, gekrümmt ist und sogar geschlossen (zyklisch)? Zeit könnte unendlich, aber nicht unbegrenzt sein, ähnlich wie die Oberfläche einer Kugel unendlich, aber nicht unendlich groß ist. Man bewegt sich auf der Kugeloberfläche, trifft aber keine Grenze. Durch algorithmische Bewegung kann man dennoch die gesamte Fläche erfassen und die Krümmung erkennen.
Vielleicht sind Sie auf die Annahme gestoßen, dass der Raum unserer Welt so gekrümmt ist, dass ein Lichtstrahl zurückkehrt, wenn er weit genug gesendet wird. Oder dass man, wenn man geradeaus auf einer Kugeloberfläche geht, wieder am Ausgangspunkt ankommt. Ähnlich könnte es sich auch in unserer Welt verhalten. Wenn Zeit gekrümmt und zyklisch ist, wird die Welt denselben Ablauf von Zyklus zu Zyklus wiederholen. Vielleicht kann die Krümmung der Zeit sogar innerhalb einer Welt mit gekrümmter Zeit gemessen werden, ähnlich wie Raumkrümmung gemessen werden kann.
Schließlich kennen Sie vermutlich „Wurmlochreisen“. Üblicherweise geht man davon aus, dass Zeit eindimensional und nicht zyklisch ist; solche Reisen ermöglichen eine schnelle Ortsverlagerung. Aber was, wenn die eindimensionale Zeit, eingebettet in die zweidimensionale Hyperzeit, so gekrümmt ist, dass „Wurmlochreisen“ in Vergangenheit und Zukunft möglich sind? Lesen Sie aufmerksam die folgende „Lehrtheorie der Ewigkeit und Zeit mit Szenen und objektivem Sein in Bezug auf Präsenzismus mit eingebetteter A-Äternalismus-Analogie“ und denken Sie über die Frage nach, die danach gestellt wird: Können in einer Welt mit Szenen mehrere Szenen gleichzeitig privilegiert sein, auch wenn sie weit auseinanderliegen, zum Beispiel Hunderte von Jahren? Kehren Sie anschließend zu Ihrer Überlegung zurück.
Extrinsische und intrinsische Zeit; Eigenschaften-Beziehungen und Zeit; Zeit als Analogon zu intrinsischen Eigenschaften
Bewegung ist eng mit der Zeit verbunden: Wir messen Zeit anhand von Bewegung, und die moderne Physik hat gezeigt, dass Zeit von Bewegung abhängt. Daraus ergibt sich die Frage: Wenn man die Bewegung „aufhebt“ – zum Beispiel, wenn man die Welt „einfriert“ – was geschieht dann mit der Zeit? Würde der Fluss der Zeit aufhören? Und wenn ja, was ergäbe sich daraus? Würden wir dann nicht eine unveränderliche Ewigkeit mit ihrem einzigen „Jetzt“ erhalten?
Bevor wir fortfahren, muss eine sehr wichtige Sache betont werden: Die Verneinung von Bewegung schließt nicht nur die Verneinung von Bewegung im Raum über die Zeit ein, sondern auch die Verneinung des Flusses der Zeit selbst. Selbst wenn man annimmt, dass die Bewegung von Dingen (im weitesten Sinne) und der Fluss der Zeit zusammenhängen, folgt daraus noch nicht, dass beim „Einfrieren“ der Welt – etwa bei völliger Aufhebung jeder räumlichen Bewegung in der sinnlich wahrnehmbaren Welt – gleichzeitig auch der Fluss der Zeit aufhört.
Einige vertreten die Ansicht, dass für eine solche „eingefrorene“ Welt insgesamt oder für jede einzelne „eingefrorene“ Sache dieser Welt der Fluss der Zeit von etwas Äußerem erzeugt wird, nämlich dann, wenn eine Beziehung zwischen etwas „Eingefrorenem“ und etwas „Nicht-Eingefrorenem“ entsteht, das bereits in einer Welt mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft lebt. Ein grobes Beispiel: Steht inmitten einer Welt mit unveränderlichen Grenzen ein unbewegter „eingefrorener“ Planet und gibt es sonst nichts in dieser Welt, dann existiert auf dem Planeten und in der Welt überhaupt keine Zeit. Taucht jedoch ein Mond auf und beginnt, den Planeten zu umkreisen (der weiterhin „eingefroren“ ist), entsteht Zeit mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Der Planet befindet sich zuerst „auf der ersten Umrundung des Mondes“, dann „auf der zweiten Umrundung“ und so weiter. Offenbar betrachten solche Menschen die Zeitart, die in dieser Welt vor dem Erscheinen des Mondes existierte, als Ewigkeit.
Craig erklärt in seinem Vortrag und ausführlicher in seinem Buch die Existenz Gottes in der Ewigkeit „logisch vor“ der Schöpfung der Welt und den Beginn Seines Daseins mit der Entstehung der Zeit durch die Schöpfung der Welt: Gott ähnelt der Welt und dem Planeten vor dem Erscheinen des Mondes, und das Aufkommen eines sich um den Planeten drehenden Mondes ist analog zur Schöpfung. Craig zufolge „erniedrigt“ sich Gott bei der Schöpfung der Welt ähnlich wie bei der Inkarnation: Bei der Inkarnation kommt Gott in der Gestalt eines einfachen Menschen auf die Erde, bei der Schöpfung der Welt „tritt“ Gott aus der Ewigkeit in die Zeit mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Es erscheint jedoch sinnvoll, davon auszugehen, dass die Zeit (jeder Art), in der und nach der ein Objekt „lebt“, untrennbar mit diesem Objekt selbst verbunden ist. Zeit und „Leben“ in ihr sind also vor allem intrinsisch, das heißt innerlich dem Objekt eigen, unabhängig von seinen Beziehungen zu anderen Objekten – insbesondere, wenn es sich um Objekte handelt, die in einer Zeit anderer Art existieren. Hier bedeutet intrinsisch, dass die Zeit einem Objekt wie seine inneren Eigenschaften eigen ist, nicht wie extrinsische Eigenschaften, also Eigenschaften-Beziehungen. Beispielsweise sind „rund sein“, „eine bestimmte Kristallstruktur haben“, „ein Kilogramm wiegen“ intrinsische Eigenschaften, während „zwischen diesen beiden Bäumen stehen“, „von einer bestimmten Person begabt sein“ oder „mit jemandem befreundet sein“ extrinsische Eigenschaften sind.
Für Craig ist „in der Ewigkeit leben“ bei Gott offensichtlich eine extrinsische Eigenschaft: Gottes Ewigkeit „endet“, wird also zur Zeit, mit der Schöpfung der Welt. Über Gott, der in der Ewigkeit lebt, kann man nur so sprechen, wie es der Nicht-Existenz der Welt entspricht, nicht, weil er aus sich selbst in der Ewigkeit lebt, unabhängig von der Welt. Eine so leichte „Verwandlung“ der Ewigkeit in Zeit, wie sie bei Craig dargestellt wird, legt nahe, das Verständnis von Zeit (mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) wie auch von Ewigkeit (und jeder anderen Zeitart) als etwas Extrinsisches zum Objekt aufzugeben. Befindet sich Bewegung innerhalb eines Objekts, etwa in Form von Atomschwingungen im Kristallgitter, ist die Bewegung sicherlich auch intrinsisch diesem Objekt eigen; für Gott nach Craig jedoch ist das Leben in Zeit mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft extrinsisch, d.h. nur durch Beziehungen zu etwas anderem erzeugt.
Wenn wir sagen, dass eine bestimmte Art von Zeit einem Objekt intrinsisch eigen ist, impliziert dies: Bezüglich Zeit mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bedeutet dies beispielsweise für den sinnlich wahrnehmbaren Kosmos: Selbst wenn die Welt „eingefroren“ wird und jegliche Bewegung aufhört, fließt der Zeitstrom weiterhin von der Vergangenheit in die Zukunft durch die Gegenwart. Zurück zum Beispiel mit Planet und Mond: Wenn Zeit einem Objekt intrinsisch eigen ist, also intrinsische Zeit vorliegt, folgt daraus, dass der Fluss der Zeit auch ohne den umlaufenden Mond im „eingefrorenen“ Zustand bestehen würde. In einem solchen „eingefrorenen“ Welt ohne Mond existierte also keine Ewigkeit: Es gäbe keine räumliche Bewegung, aber die Bewegung in der Zeit – der Zeitstrom – bliebe erhalten und die Welt würde weiterhin von der Vergangenheit in die Zukunft durch die Gegenwart fließen.
Aus all dem wird deutlich, dass, wenn man sagt, die Welt bewege sich nicht und sei „eingefroren“, stets geklärt werden muss: In welchem Sinne? Bedeutet die Abwesenheit von Bewegung auch das Aufhören des Zeitflusses oder nicht? Nochmals: Die Verneinung von Bewegung umfasst sowohl die Verneinung von räumlicher Bewegung in der Zeit als auch die Verneinung des Flusses der Zeit selbst.
Zur Unabhängigkeit Gottes von der Zeit der Welt
Die Handlung der Schöpfung der Welt durch Gott, vollzogen in der Ewigkeit, wird so verstanden, dass sie auch stets in der Zeit wirkt: Das heißt, die Welt erfährt in jedem „Jetzt“ ihrer Existenz diese aktive Handlung und reagiert darauf mit einer entsprechenden passiven Handlung. Man könnte also sagen: „Gott schuf die Welt in der vergangenen Stunde, erschafft sie in dieser Stunde, einschließlich dieses ‚Jetzt‘, und wird sie in der nächsten Stunde erschaffen.“
Doch wir fragen: Bedeutet dies, dass Gott in gewisser Weise auch in der Zeit der geschaffenen Welt ‚lebt‘? Bedeutet es, dass die äußeren Eigenschaften, also die Beziehungen zur geschaffenen Welt, insofern, als Gott in bestimmte Beziehungen zur Welt tritt, Ihn sozusagen auf eine Existenz in der geschaffenen Zeit reduzieren, was eine Art Unterordnung unter die geschaffene Zeit bedeuten würde?
Gemäß der verwendeten Zeitkonzeption gilt die Aussage „Eine bestimmte Art von Zeit ist einem Objekt intrinsisch eigen, analog zu seinen intrinsischen Eigenschaften, und einem Objekt können nicht mehrere Zeitarten gleichzeitig eigen sein“ als Axiom. Ein weiteres Axiom lautet: „Objekte, denen Zeiten unterschiedlicher Arten eigen sind (jedem seine eigene), können miteinander interagieren.“
Man könnte sagen, Gott lebe in der geschaffenen Zeit, wenn man annimmt, dass sie Ihm intrinsisch eigen ist, ähnlich wie seine intrinsischen Eigenschaften. Nach der ersten Axiomatik würde das jedoch bedeuten, dass Gott nicht in der Ewigkeit lebt. Daher ist es sinnvoller, Gott als in der Ewigkeit lebend zu denken.
Stellen wir uns zwei unterschiedliche Bereiche des Seins vor, die sich nicht überschneiden, aber über ihre Grenzen miteinander interagieren – ähnlich wie zwei zusammenprallende Steine: Im ersten Bereich gibt es keinen Teil des zweiten, und im zweiten keinen Teil des ersten. Jeder Bereich hat seine eigenen physikalischen Gesetze und seine eigene Zeit – jeweils eine besondere Zeitart. Die Frage lautet: Wie kann ein Objekt aus dem ersten Bereich den Gesetzen und der Zeit des zweiten Bereichs unterliegen, wenn es kein Teil dieses zweiten Bereichs ist und sich nicht in ihm befindet, sondern Element, also Teil des ersten Bereichs ist? Analog gilt dies für den gesamten ersten Bereich.
In unserem Fall lebt Gott (der erste Bereich) in der Ewigkeit und vollbringt dort, in diesem Bereich der Zeitart „Ewigkeit“, eine einseitige aktive Handlung – die Schöpfung der Welt. Die Welt (der zweite Bereich) lebt in der Zeit und reagiert darauf mit einer einseitigen passiven Handlung, die in der Zeit vollzogen wird. Zusammen bilden diese beiden Handlungen eine zweiseitige Handlung, in der der aktive Teil in der Ewigkeit unveränderlich ist, während der passive Teil in der Zeit Änderungen erfährt, da die Welt selbst Veränderungen unterliegt – nicht nur im Fluss der Zeit, sondern beispielsweise auch in räumlicher Bewegung ihrer Teile. Somit verändert sich auch die zweiseitige Handlung als Ganzes.
Wenn man unter Schöpfung die einseitige aktive Handlung versteht, ist sie unveränderlich, da sie in der Ewigkeit vollzogen wird. Betrachtet man Schöpfung als zweiseitige Handlung, verändert sich das Ganze, da der passive, in der Zeit vollzogene Teil sich verändert.
Die Situation ist jedoch etwas komplexer. Es wird angenommen, dass Gott überall in der Welt gegenwärtig ist, gleichzeitig aber kein Teil der Welt ist, und die Teile der Welt gehören nicht als Teile zu Gott oder zu irgendetwas, worin Gott als Teil enthalten wäre. Die Analogie in unserem Beispiel ist nicht vollkommen, da die Bereiche des Seins nicht überschneidend sind: Der erste Bereich ist kein Teil des zweiten, und der zweite kein Teil des ersten. Dennoch bleibt die Analogie im Wesentlichen bestehen.
Da weder Gott ein Teil der Welt noch die Welt ein Teil Gottes ist, ist Gott weder begrenzt noch unterworfen der Zeit dieser Welt, dem Raum oder den physikalischen Gesetzen. Die Zeit dieser Welt ist also nicht die Zeit, nach der Gott lebt, also nicht die Ewigkeit. Die Zeit dieser Welt ist nicht intrinsisch Gott eigen, ähnlich wie seine inneren Eigenschaften. Bezüglich der Wirkung auf die Welt über die Grenze gilt: Da Gott überall ist, ist die gesamte Welt die Grenze, auf die Gott wirkt. Alles in der Welt ist das, worin Gott gegenwärtig ist, und gleichzeitig gilt: Weder ist Gott Teil der Welt, noch ist die Welt Teil Gottes.
Da die aktive Handlung der Schöpfung nur in der Ewigkeit existiert, existiert sie in der geschaffenen Welt mit ihrer Zeit nicht. In der Welt und ihrer Zeit existiert nur die entsprechende passive Handlung. Da das „Jetzt“ der Ewigkeit jedem „Jetzt“ der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) zugeordnet wird, „projiziert“ sich das „Jetzt“ der Ewigkeit auf jedes „Jetzt“ der Zeit, und in jedem „Jetzt“ der Zeit entsteht die entsprechende passive Handlung der Welt, vollzogen als Antwort auf die aktive Handlung der Schöpfung. Diese passive Handlung erzeugt lediglich die Illusion, dass der ihr entsprechende aktive Teil der Schöpfung in jedem „Jetzt“ der Zeit vollzogen wird, während er tatsächlich nur im einzigen „Jetzt“ der Ewigkeit ausgeführt wird. Diese Illusion kann sogar den Eindruck erwecken, als ob die aktive Handlung in der Welt selbst vollzogen würde, obwohl sie, wie gesagt, im Bereich des Seins Gottes geschieht.
(Beim Sprechen darüber ist zu beachten, dass Gott, wie erwähnt, überall in der Welt gegenwärtig ist, gleichzeitig aber kein Teil der Welt ist, und die Teile der Welt nicht als Teile zu Gott oder irgendetwas gehören, in dem Gott als Teil enthalten wäre.)
Biblische Schöpfung in der Zeit und „nicht-biblische“ (unendlich entfernte) Schöpfung in der Zeit
Die biblische Schöpfung der Welt in der Zeit impliziert, dass sie vor einer bestimmten endlichen Dauer in der Vergangenheit stattfand. Bereits in christlicher Zeit wurde sie als Schöpfung aus dem Nichts verstanden und nicht als Schöpfung aus Materie als zweites Prinzip neben Gott. Dies bedeutet: Wenn wir in der Zeit zurückgehen, relativ zum „Jetzt“, also zur Gegenwart, gelangen wir zum allerersten „Jetzt“ der Welt, das sich heute in der Vergangenheit befindet. Würden wir noch weiter in die Vergangenheit zurückgehen, könnten wir nicht: Wir würden an die „Grenze der Zeit“ stoßen und könnten nicht, sozusagen, „außerhalb“ der Zeit gelangen.
Im Sinne der Schöpfung in der Zeit – betonen wir: es geht um die biblische Schöpfung – ist die Gesamtheit der Prozesse, die im allerersten „Jetzt“ stattfanden, die eigentliche Schöpfung der Welt. In einem weiteren Sinn umfasst die Schöpfung im biblischen Sinne die Geschehnisse der ersten „Jetzt“-Momente der Zeit – jene „Jetzt“, die den ersten sechs Schöpfungstagen entsprechen, wie sie im „Sechstagewerk“ der ersten Kapitel des Buches Genesis beschrieben werden.
Hier sei angemerkt, dass Philo von Alexandria zum Beispiel annahm, die Welt sei bei der Schöpfung sofort vollständig entstanden und habe sich nicht allmählich vervollkommnet. Für Philo war das „Sechstagewerk“ daher nur eine Allegorie. Für ihn war die Schöpfung in der Zeit mit dem allerersten „Jetzt“ verbunden. Wenn man das „Jetzt“ als von nicht null Dauer versteht, existierte die Welt selbst in diesem ersten „Jetzt“ bereits vollständig und abgeschlossen.
Philo nahm an, dass die Urmaterie ein zweites Prinzip neben Gott sei; somit lehrte er nicht, dass die Welt aus dem Nichts erschaffen wurde. Dennoch scheint die Lehre von der Schöpfung aus dem Nichts von christlicher Seite aus Philosophie von Philo abgeleitet worden zu sein, insbesondere aus Passagen, in denen Philo unklar äußerte, aus welchem Stoff die Welt erschaffen sei.
Vor dem allerersten „Jetzt“ der Zeit mit Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft gab es offensichtlich keine anderen „Jetzt“ in dieser Zeit. Zusammenfassend lässt sich sagen: Nach der biblischen Konzeption der Schöpfung in der Zeit ist die Zeit nur in Richtung Zukunft unendlich, nicht aber in Richtung Vergangenheit, denn die Welt wurde in der Zeit erschaffen und gemeinsam mit der Zeit vor einer endlichen Dauer zurück zur Gegenwart geschaffen.
Viele antike Philosophen hingegen betrachteten die Zeit als unendlich sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit. Für sie bestand die Schöpfung in der Zeit darin, Formen (im aristotelischen Sinne) mit der Urmaterie zu verbinden oder der Urmaterie Teilhabe an Ideen (im platonischen Sinne) zu verleihen. Aus diesen Vorstellungen folgt, dass man das allererste „Jetzt“ der Welt nicht erreichen kann, indem man nur eine endliche Zeitspanne zurückgeht; jedem „Jetzt“ geht ein anderes „Jetzt“ voraus.
Wenn bei der biblischen Schöpfung am ersten Tag Himmel, Erde, Wasser, Luft und Licht erschaffen werden, am zweiten Tag die Himmelsfeste, am dritten Tag Land und Pflanzen usw., dann sähe diese Erzählung für antike Philosophen etwa so aus: Zunächst verbinden sich Formen mit der Urmaterie, die für Wasser, Luft und Feuer verantwortlich sind; dann verbindet sich die Form, die für die Himmelsfeste verantwortlich ist, mit der bereits geformten Materie (dem Wasser) – so entsteht der Himmel; dann verbindet sich die Form für das Land mit dem Wasser – die Erde erscheint; anschließend verbinden sich Formen für Pflanzen mit dem Land – Pflanzen entstehen, usw.
Für antike Philosophen bedeutete Schöpfung wohl einen längeren Prozess, ähnlich dem beschriebenen, in dem Formen allmählich mit der Materie verbunden werden und sich in der Zeit entfalten, wobei sich der Zustand der Welt grundlegend von ihrem heutigen Zustand unterschied. Da Zeit für diese Philosophen unendlich in die Vergangenheit ist, wird dieser Prozess faktisch außerhalb der Geschichte verortet: Alles kann nicht durch das Zurückgehen um eine endliche Zeitdauer beobachtet werden und liegt im unendlich entfernten Gestern.
Dies könnte nahelegen, dass es grundsätzlich sinnlos ist, von Schöpfung in der Zeit zu sprechen – wenn man sie nicht „erreichen“ kann: Vielleicht existiert das, was in der Zeit war, nur bis zu dem Punkt, den man durch eine endliche Rückkehr in der Zeit erreichen kann? In diesem Sinne würde die „nicht-biblische“ Schöpfung als etwas betrachtet, das „logisch vor“ der Trennung von Urmaterie und Formen existierte, obwohl Urmaterie und Formen historisch nie getrennt waren.
Wenn man annimmt, dass diese „nicht-biblische“ Schöpfung aus dem Nichts stattfand (wie antike Philosophen nicht annahmen) – also dass sowohl die Urmaterie als auch die Eidos (Formen, Ideen) der materiellen Dinge aus dem Nichts erschaffen wurden – betrachtet man diese Schöpfung als etwas, „logisch vor“ dem alleinigen Dasein Gottes ohne Eidos und ohne Urmaterie.
Zu Aristoteles’ Sicht: Der Erste Beweger erschafft die Welt, indem er den Himmel dreht, der wiederum die Bewegung der gesamten Materie beeinflusst. Darüber hinaus müssen offenbar höhere Götter existieren, verstanden als reine Formen, die auf die Materie wirken, sowie niedere Götter, verstanden als gewöhnliche Formen, die ebenfalls auf die Materie einwirken. Diese niederen Götter benötigen Körper, die ebenfalls aus Materie geschaffen werden. Alle diese Götter oder zumindest einige von ihnen sind Demiurgen zusammen mit dem Ersten Beweger; der Erste Beweger verleiht der Welt die Bewegung als Grundlage der Schöpfung, während die Demiurgen Dinge im alltäglichen Sinne erschaffen. Prometheus und Athene beispielsweise schufen nach den Mythen den Menschen: Prometheus den Körper aus Materie, Athene die Seele. Nach Aristoteles ist die menschliche Seele Form, also etwas Unerschaffenes und Ewiges; die Aristoteliker lehren daher die Schöpfung der Seele nicht, akzeptieren aber, dass Prometheus den Körper aus Materie schuf und Athene die Seele mit dem Körper verband, anstatt sie zu erschaffen.
Prinzipiell können diese niederen Demiurgen ebenfalls als diejenigen betrachtet werden, die der Welt oder einzelnen Elementen Bewegung verleihen, doch der Erste Beweger bleibt die Hauptursache für die Bewegung. Dennoch ist der gegenwärtige Zustand der Welt (z. B. innerhalb eines Zeitraums von tausend Jahren) nach aristotelischer Konzeption ewig andauernd, unendlich sowohl in Richtung Zukunft als auch Vergangenheit – das entspricht im Wesentlichen der oben beschriebenen „nicht-biblischen“ Schöpfung. Dies steht jedoch nur schwer im Einklang mit Mythen wie dem über die Schöpfung des Menschen, da der Mensch in diesen Mythen offensichtlich innerhalb einer endlichen Zeitspanne in der Vergangenheit von den Göttern geschaffen wurde.
Bemerkenswert ist, dass Philo, obwohl er der biblischen Konzeption folgte, annahm, die Welt sei von Anfang an vollständig entstanden. Bei Philo existierte Materie nie als reine Urmaterie ohne Form; die Formen waren materiell, und sie existierten nie unabhängig von der Materie.
Blick aus der „Ewigkeit Gottes“ auf die Welt: Theorie der Ewigkeit und der Zeit mit Szenen und objektiv-existierender Bewegung im Sinne des Presentismus mit eingebettetem A-Eternalismus; Theorie der Ewigkeit und der Zeit ohne Szenen und mit objektiv-existierender Bewegung im Sinne des „reinen“ Presentismus
Oben haben wir beschrieben, wie aus der Perspektive der Welt die einseitige aktive Einwirkung Gottes auf sie aussieht, nämlich die Schöpfung dieser Welt. Betrachten wir das Thema nun aus einer anderen Sicht: Wie erscheint die von Gott erschaffene Welt, wenn man sie aus der Ewigkeit betrachtet und sich dieser Ewigkeit unterordnet?
Das einzige „Jetzt“ der Ewigkeit projiziert sich auf jedes „Jetzt“ der Zeit und entspricht jedem „Jetzt“ der Zeit. Folglich gibt es für Gott, der im „Jetzt“ der Ewigkeit lebt, kein privilegiertes „Jetzt“ der Zeit. Denn die Beobachtung einer Bewegung im „Jetzt“ in Richtung Zukunft würde im wörtlichen Sinne eine dynamische Beobachtung voraussetzen, also eine Beobachtung durch Zustandsänderungen im Geist; in der Ewigkeit gibt es jedoch kein Werden und Vergehen. Daher sieht Gott aus der Ewigkeit alle „Jetzt“ der Welt gleichzeitig, parallel, im einzigen „Jetzt“ der Ewigkeit und kann auf jedes „Jetzt“ der Welt aus diesem einzigen „Jetzt“ der Ewigkeit einwirken.
Was bedeutet das? Angenommen, die Wirkung „stützt sich nicht auf das Nichts“, das heißt, der Wirkende wirkt auf das, was ist, und nicht auf das, was nicht ist. Dies interpretieren wir folgendermaßen: Wenn Gott in der Ewigkeit ein bestimmtes „Jetzt“ der Zeit sieht und eine aktive einseitige Handlung auf die Welt ausführt, die diesem „Jetzt“ entspricht, dann muss die Welt in diesem „Jetzt“ existieren, selbst wenn in dieser Welt, aus der inneren Perspektive betrachtet und der Zeit folgend, das „Jetzt“ von einem anderen „Jetzt“ bestimmt wird.
Wenn Gott aus dem „Jetzt“ der Ewigkeit auf die Welt in ihrem zukünftigen „Jetzt“ einwirkt, existiert die Welt im zukünftigen „Jetzt“ bereits jetzt. Analog gilt: Wirkt Gott aus dem „Jetzt“ der Ewigkeit auf die Welt in ihrem vergangenen „Jetzt“, so existiert diese Welt im vergangenen „Jetzt“ ebenfalls weiterhin. In diesem Sinne existiert nicht eine einzelne Welt, wie es uns erscheint, sondern eine Vielzahl von Welten: Für jedes „Jetzt“ der Zeit gibt es seine eigene Welt, und jede dieser Welten wird von Gott im einzigen „Jetzt“ der Ewigkeit erschaffen.
Für Gott existieren somit alle Dinge, die in der Welt zu verschiedenen „Jetzt“ der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren, gleichberechtigt als Vielzahl von Dingen im „Jetzt“ der Ewigkeit. Daraus folgt unter den angenommenen Voraussetzungen, dass streng genommen in der Welt nicht nur ein „Ding im üblichen Sinn“ existiert, sondern eine Vielzahl von „Dingen im strengen Sinn“ für jedes „Jetzt“ der Zeit, zu der das „Ding im üblichen Sinn“ gehört. All diese „Dinge im strengen Sinn“ existieren weiterhin in der Welt und in ihrer Zeit unabhängig vom Fluss der Zeit: Eine Vielzahl von „Bäumen im strengen Sinn“, die einem „Baum im üblichen Sinn“ entsprechen, verschwindet nicht, sondern wächst weiter (in der Vergangenheit), auch wenn der „Baum im üblichen Sinn“ längst gefällt, zu Feuerholz verarbeitet und verbrannt wurde.
Man kann sich bildlich vorstellen, dass die gesamte Geschichte, das gesamte Leben der Welt (und eines einzelnen Menschen) für Gott wie ein auf dem Tisch ausgebreiteter Filmstreifen ist, dessen alle Frames Gott gleichzeitig im „Jetzt“ der Ewigkeit sieht und wahrnimmt, ohne sie nacheinander, wie wir es tun. Dabei bewegen wir uns gewissermaßen selbst von Frame zu Frame, nicht die Frames vor unseren Augen. In diesem Bild kann man sagen, dass die Schöpfung der Welt durch Gott in der Ewigkeit die Schöpfung eines solchen „Filmstreifens“ ist, also im Wesentlichen die Schöpfung vieler Welten, von denen jede ihrem „Jetzt“ entspricht.
Jede Welt, die ihrem „Jetzt“ entspricht, ist ein Frame des „Filmstreifens“. Die Schöpfung dieser Welten in der Ewigkeit, verstanden als einseitige aktive Handlung Gottes, geschieht selbstverständlich als Seiendes in der Ewigkeit, ohne Unterbrechung und ohne Veränderung. Wenn im Zeitfluss die Handlung viele „Jetzt“ dauert und das Ergebnis allmählich erscheint, existieren in der Ewigkeit sowohl der Handelnde als auch die Handlung und ihr Ergebnis vollständig abgeschlossen im einzigen „Jetzt“.
Dass Gott die Welt in der Ewigkeit erschafft, bedeutet noch nicht, dass diese Welt selbst in der Ewigkeit existiert. Wir folgen hier der Konzeption, dass die geschaffene Welt nicht zur Ewigkeit gehört, sondern in der Zeit existiert. Bildlich gesprochen existiert der „Filmstreifen“ nicht in der Ewigkeit, sondern in der Zeit, und in dieser Zeit erfolgt der „Übergang von Frame zu Frame“, also die Bewegung in die Zukunft. Jeder Frame, verstanden als eigene Welt, existiert in seiner eigenen Zeit, also ist in jedem Frame Bewegung vorhanden; unsere „Filmrolle“ ist also so strukturiert, dass jeder Frame für sich eine eigene „Filmrolle“ ist.
In jedem Frame ist Bewegung vorhanden – zumindest der Fluss der Zeit – obwohl die Aufteilung in Frames die Bewegung theoretisch zerstören könnte. Wir nehmen jedoch an, dass jeder Frame einem bestimmten „Jetzt“ entspricht, und wir verstehen „Jetzt“ nicht als zeitlosen Punkt, sondern als ein Zeitquantum, minimal möglich, aber von endlicher Dauer. Hier liegt eine Schwierigkeit: Wenn in jedem Frame Bewegung existiert, wie kann Gott diese Bewegung wahrnehmen? Wir nehmen Bewegung mental durch Veränderung von Zuständen wahr; Gott hingegen erfährt keine Zustandsänderung.
Gott sieht die Bewegung analog zu einem auf Papier gezeichneten Diagramm, auf dem nichts sich bewegt. In jedem Frame existiert Bewegung, aber Gott nimmt sie als statische Darstellung wahr. Somit existieren für Gott alle Frames gleichwertig, ohne dass er Bewegung wahrnimmt – weder in einem einzelnen Frame noch in der Gesamtheit aller Frames. Für Gott gibt es kein bewegtes Jetzt von Vergangenheit zu Zukunft. Für uns hingegen gibt es ein privilegiertes Jetzt, das die Gegenwart begründet; die Frames davor bilden die Vergangenheit, die danach die Zukunft.
Unter dieser Theorie der Zeit verstehen wir die Schöpfung der Welt nicht als kontinuierliche Handlung in der Zeit, sondern als ununterbrochene, simultane Schöpfung aller Welt-Frames im „Jetzt“ der Ewigkeit. Bei biblischer Schöpfung, mit endlicher Dauer in Richtung Vergangenheit und unendlicher Dauer in Richtung Zukunft, hat der Filmstreifen nur eine Grenze in der Zukunft; bei nicht-biblischer Schöpfung, mit unendlicher Dauer in beide Richtungen, hat der Filmstreifen keine Grenzen in Vergangenheit oder Zukunft.
Wenn wir über die Schöpfung in der Ewigkeit sprechen, erkennen wir, dass die ersten Frames des Filmstreifens tatsächlich mehrere Welten darstellen, nicht nur eine. Diese Frames, als separate „lokale in der Zeit existierende“ Welten, sind verschiedene zeitliche Teile dessen, was wir gewöhnlich unter „Welt“ verstehen. Somit ist die normale Welt tatsächlich eine Vielzahl solcher Frames, jede einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet.
Streng genommen entspricht diese Theorie der Zeit dem L-Exdurantismus (Exdurantismus basierend auf A-Folgen). Exdurantismus ist keine Theorie der Zeit selbst, sondern eine Theorie der Existenz von Dingen in der Zeit; die hier betrachtete Form betrifft speziell die Theorie der Zeit. In diesem Kontext werden die „Frames“ des Filmstreifens, also die Welten-in-Aktion, als Szenen (stages) bezeichnet.
Dies gilt nicht nur für die Welt als Ganzes, sondern auch für jeden einzelnen Menschen und jedes Ding: Ein Mensch ist in Wirklichkeit eine Vielzahl „lokal in der Zeit existierender“ Personen, jede auf ihrer Szene; ein Ding ist eine Vielzahl „lokal in der Zeit existierender“ Dinge, jedes auf ihrer speziellen Szene. Ebenso kann man für einen einzelnen Körper sagen, dass er nicht nur räumliche Teile hat (wie Hand oder Fuß), sondern auch zeitliche Teile: Die Frames entsprechen dann verschiedenen zeitlichen Teilen desselben Menschen oder Dings. Analoges gilt für die Welt insgesamt.
Streng genommen nennt man dies die Theorie der Zeit, die L-Endurantismus verfolgt (Endurantismus basierend auf ^-Folgen). Endurantismus selbst ist keine Theorie der Zeit, sondern eine Theorie der Existenz von Dingen in der Zeit. Das Ganze, dessen zeitliche Teile die Frames des Filmstreifens sind, wird im Endurantismus als „Raum-Zeit-Wurm“ bezeichnet.
Betrachten wir nun eine Welt ohne Zeit-Schleifen, die auf eine Welt mit Zeit-Schleifen blickt: Ein Ball fällt von einem hohen Turm, verschwindet auf halber Strecke und fällt erneut – endlos. Die Zeit in dieser Welt ist „geschleift“. Jede Szene hat eindimensionales, geschleiftes, also gekrümmtes Zeit. Da viele solcher Szenen existieren, geordnet in einer höheren Dimension der Zeit, kann man die geschleiften Zeiten als aufgereihte Kreise auf einem Blatt Papier visualisieren, analog zu einer zweidimensionalen Zeit.
Es ergibt sich, dass jede der betrachteten geschleiften eindimensionalen Zeiten in ein und dasselbe zweidimensionale Zeitgefüge eingebettet ist. Eine Zeit höherer Dimension, in die eine Zeit geringerer Dimension eingebettet ist, wird, wie bereits erwähnt, Hyperzeit genannt. Ebenso kann man unter „Hyperzeit“ auch eine Zeit höherer Dimension oder in gewissem Sinne eine übergeordnete, vollkommene Zeit verstehen, von der aus die Beobachtung einer Welt mit niederen, weniger vollendeten Zeiten erfolgt; dabei ist keineswegs zwingend, dass die eine Zeit in der anderen „eingetaucht“ sein muss. In diesem Beispiel ist die Ewigkeit Gottes Hyperzeit sowohl für die geschleiften eindimensionalen Zeiten der Szenen als auch für die zweidimensionale Zeit, in die diese eindimensionalen Zeiten eingebettet sind.
Der Fluss der Zeit und andere Bewegungs- und Veränderungsarten existieren nicht nur in den geschleiften eindimensionalen Zeiten, sondern auch in der zweidimensionalen Zeit; dabei lassen sich diese Bewegungen und Veränderungen nicht auf die Bewegungen innerhalb der Szenen selbst reduzieren. Die Bewegung und Veränderung in der zweidimensionalen Zeit besteht vor allem darin, dass mit dem Fluss der zweidimensionalen Zeit in Richtung von früheren zu späteren Szenen jede Szene zu ihrer Zeit, entsprechend ihrer Position in der Reihe, zur privilegierten „gegenwärtigen“ wird, also zu der Szene, die die Gegenwart begründet; die vorherige „gegenwärtige“ Szene beginnt parallel dazu (neben anderen Szenen) die Vergangenheit zu begründen, während sie zuvor die Zukunft begründete.
Nochmals betonen wir: Wir sprechen hier über eine Zeittheorie, in der die Welt in der Zeit existiert, nicht in der Ewigkeit; das bedeutet, dass Bewegung in der Welt, zumindest in Form des Flusses der Zeit, objektiv existiert, unabhängig von Geist und Bewusstsein. Somit erfolgt die Änderung der Status einer Szene – „Szene, die die Zukunft begründet“, „Szene, die die Gegenwart begründet“, „Szene, die die Vergangenheit begründet“ – objektiv; diese Änderung ist nichts anderes als Bewegung. Jeder Status impliziert einen besonderen Modus oder eine Art der Existenz der Szene, und der Wechsel der Status ist mit dem Fluss der zweidimensionalen Zeit, also der Hyperzeit, verbunden.
Betrachten wir nun das menschliche Leben in Bezug auf diese Theorie der Zeit. Der Mensch-in-der-Aktion, wie auch jedes Ding und die Welt insgesamt, besteht aus vielen Szenen, also aus vielen zeitlichen Teilen, von denen jeweils nur einer im Jetzt präsent ist; diese „gegenwärtige“ Szene begründet die Gegenwart. Auch seelische Prozesse besitzen solche zeitlichen Teile – inklusive des Flusses des Bewusstseins und der Selbstwahrnehmung sowie der Zustandsänderungen des Geistes. Diese Flüsse und Zustandswechsel erfolgen global durch Statuswechsel der Szenen, wie oben beschrieben, entlang des Flusses der zweidimensionalen Zeit. Auf lokaler Ebene, also innerhalb einer Szene, gibt es ebenfalls Bewegung, einschließlich der Bewegung innerhalb des geschleiften „Jetzt“. Das „Jetzt“ hat eine endliche Dauer.
Daraus ergibt sich die Frage: Könnten Szenen auch aus Szenen bestehen? Ein „Jetzt“ lässt sich unendlich in endliche Teile zerlegen, wobei die größte Teilmenge gegen null tendiert, ohne sie zu erreichen. Solche Szenen nennen wir Mikroszenen. Szenen sind nur in einer Theorie der Zeit möglich, in der Zeit ein sogenanntes Gunk-Objekt ist. Das bedeutet, dass Zeit keine „Atome“ oder „Quanten“ besitzt und nicht diskret ist. Damit Szenen, einschließlich Mikroszenen, existieren können, darf Zeit nicht aus punktuellen Momenten nuller Dauer bestehen. Alternativ kann Zeit als Gunk-Objekt betrachtet werden, in welchem Fall Mikroszenen nicht eingeführt werden können.
Bei der Schöpfung einer Szene kennt Gott die Eigenschaften des Geschaffenen sowie die physikalischen Gesetze innerhalb der Szene. Er kann jede Szene so berechnen, dass alles in ihr Existierende und jede Bewegung in ihr korrekt im zeitlichen Ablauf der geschaffenen Welt verläuft. Gott sieht die Szene nicht in Bewegung, sondern analog zu einem Bewegungsdiagramm auf Papier. Sein Handeln bei der Schöpfung einer Szene ist unveränderlich, da es in der Ewigkeit erfolgt, auch wenn es auf die in der Zeit existierende Welt gerichtet ist.
Wie wirkt sich dies auf die Welt mit geschleifter Zeit aus? Die einseitige aktive Schöpfungshandlung ist in der Ewigkeit unveränderlich; in der Welt erscheint sie ebenfalls unveränderlich, während die passive Reaktion der Welt auf diese Handlung im Zeitfluss variiert, da die Welt sich bewegt. Aufgrund der sehr kurzen Dauer einer Szene sind diese Veränderungen minimal; die Szene kann annähernd als unveränderlich oder „eingefroren“ betrachtet werden, abgesehen vom Fluss der geschleiften Zeit. Die Szene wirkt also wie eine unveränderliche Bühne, auf der nur der Zeitfluss existiert, während Bewegungen minimale relative Schwankungen darstellen.
In der zweidimensionalen Hyperzeit existiert der Fluss der Zeit und der Statuswechsel der Szenen. Es gibt viele zweidimensionale „Jetzt“ – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Jeder „Jetzt“ der geschleiften eindimensionalen Zeit entspricht einem besonderen „Jetzt“ in der zweidimensionalen Hyperzeit, in dem das geschleifte Jetzt privilegiert ist. Dies führt zur Notwendigkeit von Hyperszenen und Hyperhyperzeit, also einer Hyperzeit für die zweidimensionale Hyperzeit. Ein unendliches Verschachteln wäre nötig, was zu einer „bösartigen Unendlichkeit“ führt, wie später bei McTaggarts Kritik diskutiert wird. Daher akzeptieren wir, dass es keine Hyperszenen und keine Hyperhyperzeiten gibt.
Wir erhalten also einen Hyperraum ohne Szenen, also ohne zeitliche Teile, mit zweidimensionaler, unverkrümmter Zeit, in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft existieren. Gott kann in der Ewigkeit auf diesen Hyperraum einwirken; das Prinzip „Wirkung stützt sich nicht auf das Nichts“ ist hier nicht anwendbar, da es nur bei Szenen oder zeitlichen Teilen gilt. Die einseitige aktive Handlung Gottes kann sich „auf das Nichts stützen“; die Welt oder der „äußere“ Hyperraum hat keine zeitlichen Teile, sondern existiert vollständig im gegenwärtigen Jetzt, das für ihn die Gegenwart begründet.
Gott sieht in der Ewigkeit alle „Jetzt“ der Welt, aber in der Welt existiert nur ein „Jetzt“, das die Gegenwart begründet, die sich von Vergangenheit zu Zukunft bewegt. Diese Sicht ist Wissen basierend auf exakten Berechnungen oder, anders gesagt, eine Art allumfassendes Wissen. Gott sieht die Welt analog einem Bewegungsdiagramm auf Papier; Dynamik wird statisch repräsentiert. Er plant, berechnet oder „allwissend“ die Schöpfung, erstellt statische Diagramme der Bewegungen und lässt diese Wirklichkeit werden. Beispiel: Gott sieht, dass am sechsten Schöpfungstag Tiere erschaffen werden müssen, und „markiert dies im Diagramm“. Er weiß jedoch nicht, welcher Tag jetzt in der geschaffenen Welt ist; dennoch wird die geplante Wirkung zur richtigen Zeit erfahren.
Die Analogie mit Schallplatte und Nadel verdeutlicht das Prinzip: Die Schöpfung wird einmalig in der Ewigkeit vollzogen, aber die Welt erfährt die Wirkung zeitversetzt, gemäß dem Fluss der Zeit. Die einseitige aktive Handlung Gottes stützt sich auf das Nichts in der Zeit.
Anfang und Ende der Welt aus der Sicht von Zeit- und Ewigkeitstheorien
Angenommen, Gott hat die Welt so geschaffen, dass sie eine endliche Existenzdauer in der Zeit besitzt, also dass die Welt einen Anfang (Schöpfung) und ein Ende (Zerstörung) hat. Nehmen wir ferner an, dass Bewegung, einschließlich des Flusses der Zeit, in dieser Welt objektiv existiert, also unabhängig vom Geist und Bewusstsein.
Unter diesen Voraussetzungen bedeutet aus der Sicht der Zeittheorie, die Szenen – also zeitliche Teile der Welt und der in ihr existierenden Dinge – verwendet, dass die Szenen auch nach dem Ende der Welt weiterhin existieren, jedoch keine von ihnen privilegiert ist; es gibt also kein „Jetzt“ mehr, das die Gegenwart begründet. Dasselbe gilt unter denselben Bedingungen, wenn die Welt als raumzeitlicher Wurm betrachtet wird. Aus der Sicht einer Zeittheorie, in der nur das Jetzt existiert, bedeuten Anfang und Ende der Welt den Anfang und das Ende im wörtlichen Sinne: Wurde die Welt zu Beginn aus dem Nichts erschaffen, geht sie am Ende ins Nichts zurück. Entstand die Welt jedoch durch die Verbindung von Formen und Urmaterie als selbständiger nichtgeschaffener Anfang, bedeutet das Ende der Welt nicht die Rückkehr ins Nichts, sondern die vollständige Trennung von Urmaterie und Formen.
Betrachten wir zunächst die erste Variante mit Szenen. Nach dem Ende der Welt gibt es keine privilegierten Szenen mehr, alle haben den Status „Szene der Vergangenheit“. Wie bereits erwähnt, weiß Gott, der in der Ewigkeit existiert, nicht, welches Jetzt in der Welt das privilegierte ist, also nicht, welches Jetzt die Gegenwart begründet. Daraus folgt: Im Fall einer Welt mit Ende weiß Gott nicht einmal, ob die Welt noch existiert oder bereits nicht mehr! Die letzte Szene wird logisch als diejenige gedacht, nach der das Ende der Welt im Sinne eines Austritts aus der Existenzzeit der Welt eintritt. Ebenso: Wenn die Welt einen Anfang hat, weiß Gott nicht, ob die Welt bereits existiert, da alle Jetzt-Momente noch nicht privilegiert waren. Die erste Szene wird logisch als diejenige gedacht, die noch nicht privilegiert war „logisch vor“ ihrem privilegierten Zustand, also „logisch vor“ der Schöpfung der Welt; dieses „logische Vor“ ist als ein Austritt außerhalb der Zeit der Welt zu verstehen, nur von der anderen Seite der Zeit betrachtet.
Dies ist in der Tat erstaunlich. Intuitive Vorstellungen über die Schöpfung der Welt durch Gott führen offenbar dazu, dass die obige Situation, in der Gott nicht weiß, ob die Welt existiert oder nicht (bei endlicher Existenzdauer), als abnormal erscheint: Wenn Gott die Welt geschaffen hat, müsste Er zumindest sicher sein, dass sie existiert. Daraus folgt, dass die Welt zeitlich unendlich sein muss – zumindest in Richtung Zukunft: Nach Erstellung des Plans für die Weltordnung und der Entfaltung der Welt in der Zeit sowie der „Übertragung“ der einseitig aktiven Schöpfungshandlung Gottes in der Ewigkeit, ist Gott sicher, dass die Welt existiert und sich unendlich in der Zeit bewegen wird. Hatte die Welt einen Anfang, geschah dies vor einer endlichen Zeitspanne; hatte sie keinen Anfang, entspringt sie auf irgendeine Weise aus der Unendlichkeit der Vergangenheit.
Man könnte annehmen, dass die Szenen geschleift sind, also dass die Hyperzeit des Hyperraums (der keine Szenen besitzt) kreisförmig gekrümmt ist und alle zeitlichen Teile (Szenen) der Welt, die in diesen Hyperraum eingebettet sind, sich in einem endlosen Zyklus wiederholen. Diese Annahme erleichtert das Verständnis, wie Zeit in Richtung Vergangenheit unendlich sein kann.
In der betrachteten Zeittheorie (mit Szenen und objektiver Bewegung) gibt es mindestens zwei plausibelste Möglichkeiten:
- Die Welt existiert mit einem Anfang in der Zeit, der vor einer endlichen Zeitspanne lag; dieser Anfang entspricht der Schöpfung der Welt. In diesem Fall kann man sowohl von der Schöpfung der Welt in der Ewigkeit als auch von der Schöpfung der Welt als einem Prozess in der ersten oder den ersten Szenen vor einer endlichen Zeitspanne sprechen, den man nachvollziehen kann, indem man in die Vergangenheit zurückgeht.
- Die Welt hat keinen Anfang in der Zeit, der vor einer endlichen Zeitspanne lag; wird die Welt als von Gott, Göttern oder einem höheren Anfang geschaffen betrachtet und nicht als aus sich selbst existierend, spricht man von einem Anfang in Bezug auf diese Schöpfung. Dieser Anfang kann grundsätzlich nicht beobachtet werden, wenn man in die Vergangenheit zurückgeht. Zeitlich gedacht, geschieht dieser Anfang auf unerklärliche Weise in unendlich entfernter Vergangenheit; erscheint dieser Ansatz zweifelhaft oder falsch, kann der Anfang außerhalb der Zeit der Welt erfolgen. In diesem Fall kann man dennoch vom Anfang in der Ewigkeit im Sinne der Schöpfung aller Szenen sprechen.
Beide Meinungen haben Schwächen. Für Gott sind alle Szenen gleichwertig; warum sollte also eine Szene ohne vorherige Szene existieren? Wäre es nicht logischer anzunehmen, dass jede Szene eine vorhergehende Szene hat? Dies kann zur Ablehnung von Meinung (i) führen. Andererseits ist es schwer zu verstehen, dass die Zeit unendlich in Richtung Vergangenheit ist. Wenn man von einer Schöpfung ausgeht, kann diese nach Meinung (ii) entweder nicht beobachtet werden, wenn man in die Vergangenheit zurückgeht, oder man muss ablehnen, dass die Schöpfung innerhalb der Weltzeit stattfindet. Historisch betrachtet gab es also kein plötzliche qualitative Veränderung durch die Schöpfung, sondern sie wird nur als „logisch vorher“ zum beobachteten Zustand der Welt gedacht. Dies könnte nahelegen, dass es keine qualitativ abrupte Schöpfung durch Gott gab und die Welt gemeinsam mit Gott als zweiter unabhängiger Anfang existiert. Anders ausgedrückt: Da man in der Zeit rückwärts keine Grenze erreichen kann, erscheint es logisch, dass es keinen Anfang (Schöpfung) der Welt gab und dass die Welt nicht auf Gott angewiesen ist.
Für diejenigen, die die Bibel als Autorität betrachten, ist die Annahme, dass die Welt einen zeitlichen Anfang hatte, vorrangig eine Offenbarung und kein rein gedankliches Resultat; daher ist klar, welche Position Gläubige einnehmen. Philo von Alexandria vertrat in seinem Streit mit heidnischen Philosophen eher Meinung (i), während die Heiden eher Meinung (ii) vertraten. Die Zeittheorien von Philo und seinen Gegnern entsprechen im Wesentlichen dem A-Exdurantismus, der eine privilegierte Szene annimmt, welche die Gegenwart begründet; die alten Philosophen verbanden diesen jedoch nicht mit dem Präsenzismus, wie wir es tun. Alle betrachteten das Jetzt als punktuell nuller Dauer, wie Aristoteles. In der rein präsentistischen Theorie der Zeit, ohne zeitliche Teile, ergeben sich dieselben zwei Möglichkeiten.
Das Verständnis der Weltschöpfung durch Gott als aktive Handlung im kollektiven Sinne
Oben verstanden wir unter der Schöpfung im Sinne einer einseitigen Handlung der Einfachheit halber eine einzige, einseitig aktive Handlung. Dabei entwickelten wir (selbstverständlich nur in Entwürfen, nicht vollständig) eine Zeittheorie, nach der diese Handlung so beschaffen ist, dass, obwohl sie in der Ewigkeit vollzogen wird, man in gewissem Sinne sagen kann, dass die Intensität ihrer Wirkung auf die Welt sich in Abhängigkeit von der Zeit der Welt verändert. Dies impliziert auch: abhängig von der konkreten Szene – sofern wir eine Zeittheorie mit Szenen verwenden.
Selbstverständlich kann diese Handlung in der Ewigkeit so ausgeführt werden, dass sich – analog zur Wirkung auf die Welt – auch andere Parameter dieser in der Ewigkeit ausgeführten Handlung verändern. Außerdem nahmen wir hypothetische mehrseitige Handlungen an, bei denen nur ein aktiver Teil existiert, aber mehrere passive Teile.
All dies dient dazu zu erklären, warum dieselbe scheinbare Handlung zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben der Welt zu unterschiedlichen Resultaten führt und nicht zu demselben Ergebnis. Doch dies erscheint nicht besonders überzeugend. Tatsächlich: Nach welchem Kriterium bestimmen wir, dass Handlungen unterschiedlicher Typen vorliegen und nicht nur eine Art? Nach dem Resultat der Handlung: ein kardinaler Unterschied in den Ergebnissen zweier Handlungen lässt uns annehmen, dass Handlungen zweier unterschiedlicher Typen vorliegen. Weiter gefragt: Warum gehen wir davon aus, dass zwei Handlungen statt einer stattgefunden haben? Weil sie zeitlich getrennt sind.
Wenn wir also zwei passive Handlungen unterschiedlichen Typs sehen, die zeitlich getrennt sind, ist es logisch anzunehmen, dass zwei entsprechende aktive Handlungen unterschiedlichen Typs vorliegen, also zwei wechselseitige Handlungen und keine einseitig mehrfache Handlung. Tatsächlich: Laut der Bibel wurden Elemente aus dem Nichts und Tiere aus den Elementen an verschiedenen Tagen erschaffen, und es ist am logischsten anzunehmen, dass dafür Handlungen unterschiedlicher Art (Typen) ausgeführt wurden, erkennbar am großen Unterschied der Handlungsergebnisse und der zeitlichen Trennung dieser Handlungen. Nach diesem Ansatz erhält die Schöpfungshandlung einen kollektiven Charakter.
Es ist jedoch schwierig, wenn überhaupt möglich, anzuerkennen, dass die Schöpfungshandlung tatsächlich kollektiven Charakter trägt, bei den angenommenen Prämissen. In der Tat: Wenn Gott als einfache Kraftbündelung verstanden wird, bestehend nur aus einer einseitig aktiven Handlung, kann es nach den Gesetzen der Logik keine Vielzahl aktiver Handlungen Gottes geben.
Dennoch konnten antike Philosophen trotz der Logik annehmen, dass jede der aktiven Handlungen Gottes, die sich von der Handlung Seiner Existenz (oder Seines Denkens, Seines Lebens – kurz gesagt, der Handlung, die primär mit der Essenz Gottes identifiziert wird) unterscheidet, identisch mit Ihm ist und gleichzeitig diese Handlungen untereinander nicht identisch sind, wobei die Transitivität der Identitätsrelation verletzt wird. Letztlich taten die christlichen Philosophen genau dies: In der Trinität sind Vater, Sohn und Heiliger Geist besondere Eigenschaften, von denen jede der Essenz Gottes identisch ist (hier gilt die Aussage „In Gott ist außer der Essenz nichts“), und gleichzeitig unterscheiden sie sich objektiv voneinander, nicht nur im Geist.
Die aktive Schöpfungshandlung Gottes in der Ewigkeit: einfacheres Verständnis und Folgerungen für Theorien von Zeit und Ewigkeit
Das zuvor entwickelte Konzept der aktiven Schöpfungshandlung Gottes in der Ewigkeit ist recht komplex: Es besagt, dass diese Handlung, verstanden als eine einzige Handlung und nicht im kollektiven Sinne, in gewissem Sinne im Verlauf der Zeit auf die geschaffene Welt unterschiedlich wirken kann. Erinnern wir uns: Obwohl eine unserer Zeittheorien vorsieht, dass die Welt Szenen hat, also zeitliche Teile, existieren diese in einem präsentistischen Hyperraum ohne Szenen; daher gilt das Konzept sowohl für diese Zeittheorie als auch für die rein präsentistische Theorie.
Viele Philosophen würden es einfacher sehen – sie würden folgende Annahme treffen: Die in der Ewigkeit vollzogene, unveränderliche aktive Wirkung Gottes muss von der geschaffenen Welt als unveränderlich wahrgenommen werden. Dies betrachteten sie vermutlich als Spiegelung der unveränderlichen Ewigkeit in der Zeit, als Projektion der Ewigkeit auf die Zeit.
Die Annahme einer solchen Sichtweise schließt Bewegung und Veränderung in der Welt nicht aus: In unserer Szenentheorie, bei Szenen, die in einen präsentistischen Hyperraum eingebettet sind, sowie in unserer rein präsentistischen Theorie, würde diese Wirkung im Wesentlichen bedeuten, dass Gott eine Welt erschafft, in der Bewegung und Veränderung in einem „mittleren Zustand“ stattfinden, während die der Welt eigene Bewegung zeitliche Schwankungen um diesen mittleren Zustand erzeugt, etwa in Form von Zyklen oder ähnlichen Phänomenen.
Solche Schwankungen oder analoge Vorgänge können etwa sein: Wechsel von Tag und Nacht, Wechsel der Jahreszeiten oder beispielsweise Generationswechsel bei Lebewesen, bei denen nachfolgende Generationen im Wesentlichen das Leben der vorherigen Generation wiederholen – wobei dies streng genommen keine exakte Wiederholung ist. Natürlich betrachteten die antiken Philosophen diese zyklischen Schwankungen und deren Analogien als ewig, also zeitlich unendlich andauernd; in dieser Ewigkeit erkannten sie darin die bereits erwähnte Spiegelung der Ewigkeit in der Zeit, die Projektion der Ewigkeit in die Zeit, das Ähnliche der Zeit der Welt zur Ewigkeit und das Ähnliche des Lebens der Welt zum Leben in der Ewigkeit.
Die Theorien von Zeit und Ewigkeit der antiken Philosophen unterschieden sich, wie gesagt, etwas von unseren. Für die präsentistische Theorie (ohne Szenen) gilt dasselbe; aber in Bezug auf die Theorie, die auf A-Exdurantismus basiert, erkannten die antiken Philosophen offenbar nicht, dass zur Konstruktion einer widerspruchsfreien und kohärenten Zeittheorie eine Welt mit zeitlichen Teilen, z. B. Szenen, in einen präsentistischen Hyperraum ohne Szenen mit Hyperzeit eingebettet werden muss, und dass eine solche Einbettung im Wesentlichen einen Verzicht auf A-Exdurantismus (und überhaupt auf Eternalismus) bedeutet.
Ferner ist zu beachten, dass alle diese Philosophen „Jetzt“ als eine zeitlich null Dauer umfassende „Zeitpunktgröße“ betrachteten; dieselbe Auffassung hatte auch Aristoteles.
Beim einfacheren Verständnis der aktiven Handlung Gottes stellt sich die Frage: Warum sind alle Szenen unterschiedlich – so dass bei ihrem Wechsel Bewegung zu beobachten ist, beispielsweise räumliche Bewegung? Immerhin werden sie durch dieselbe einseitige aktive Handlung Gottes erschaffen! Selbst wenn in ihnen Bewegung im Sinne einer zyklischen Zeit innerhalb der Szene vorhanden ist, müssten die Szenen identisch sein, und es müsste dasselbe „lokale“ (innerhalb der Szene) Bewegungsgeschehen beobachtet werden. Folglich würde ein Szenenwechsel zum gleichen „lokalen“ Geschehen eines anderen Exemplars derselben Szene führen und nicht zu einer anderen Bewegung von etwas völlig anderem. Da die antiken Philosophen „Jetzt“ als null-dauerhaften Zeitpunkt betrachteten, konnten sie nicht auf die Idee zyklischer inner-szenischer Zeit kommen.
Es sei betont, dass es hier nicht um Zenos Paradox geht, nach dem Bewegung aus Ruhepunkten in unendlich vielen null-dauerhaften Zeitpunkten besteht („fliegender Pfeil“). In jenem Paradox wäre die Position des Pfeils in einem nachfolgenden Zeitpunkt anders als im vorhergehenden; hier aber geht es darum, dass in jedem null-dauerhaften Zeitpunkt, also jeder Szene, der Pfeil durch dieselbe einseitige aktive Handlung erschaffen wird, wodurch die Szene zwar identisch erschaffen wird, das Ergebnis jedoch unterschiedlich ausfällt – wie auf einem automatisierten Fließband, das Patronen unterschiedlichen Kalibers produziert statt identischer.
Die antiken Philosophen, die an Zeittheorien mit Szenen oder allgemein mit zeitlichen Teilen festhielten, scheinen dieses Problem beim einfacheren Verständnis der in der Ewigkeit vollzogenen aktiven Schöpfungshandlung nicht bedacht zu haben.
Unsere Szenentheorie, genauer ihr Szenenäquivalent, umgeht oder versucht zumindest, dieses Problem durch Einbettung der Welt mit Szenen in einen präsentistischen Hyperraum ohne Szenen zu umgehen; daher kann man sagen (besser: versuchen zu sagen), dass dieser Hyperraum von Gott als ein Ganzes erschaffen wird, analog zur Schöpfung einer einzigen Szene.
Abschließend sei noch einmal erinnert: Die Welt kann Gott nicht aktiv beeinflussen, sondern nur die aktive Wirkung Gottes passiv aufnehmen; daher kann man nur von der Handlung (Wirkung) Gottes auf die Welt sprechen, nicht von einer Wechselwirkung zwischen Gott und Welt.
Nachwort zur Analyse der Theorien von Zeit und Ewigkeit mit objektivem Bewegungsgeschehen
Wie bereits mehrfach erwähnt, sieht Gott in Seiner Ewigkeit, gemäß den hier entwickelten zwei Theorien von Zeit und Ewigkeit, in denen Bewegung in der Welt objektiv existiert, keinerlei Bewegung, die in der Welt mit ihrer Zeit besteht. So sieht Gott beispielsweise in der Szenentheorie (in der L-Exdurantismus in den Präsenzismus eingebettet ist) weder auf globaler Ebene (im Rahmen der zweidimensionalen Hyperzeit und der Vielzahl von Szenen) noch auf lokaler Ebene (innerhalb einer einzelnen Szene mit ihrer eindimensionalen zyklischen Zeit) Bewegung.
Strenger gesagt, kennt Gott keine tensed-Fakten, also Fakten der dreiteiligen Zeit (tense time) – diese Begriffe werden später noch genauer erläutert. Dies stellt natürlich einen ernsthaften Nachteil dieser Theorien dar, wenn man Gott als den allwissenden biblischen Gott betrachtet: Denn man muss anerkennen, dass Gott in gewissem Sinne streng genommen nicht allwissend ist. Vielleicht ist es für einen Gläubigen an den biblischen Gott besser anzuerkennen, dass „Gott die Welt richtig sieht“ und dass es daher in Wirklichkeit in der Welt keinerlei Bewegung gibt – einschließlich des Flusses der Zeit. Mit anderen Worten: Vielleicht ist es für einen solchen Gläubigen besser, den Weg des Parmenides zu gehen.
Es sei jedoch angemerkt, dass die überwältigende Mehrheit der antiken Philosophen kaum daran gezweifelt haben dürfte, dass Bewegung in der Welt, also im sinnlich wahrnehmbaren Kosmos, objektiv existiert.
Wir wollen auch eine Frage stellen, ohne sie zu diskutieren – aus Interesse: Kann es in einer Welt mit Szenen oder allgemein mit zeitlichen Teilen mehrere privilegierte Szenen (also solche, die das Jetzt begründen) gleichzeitig geben, die weit voneinander entfernt sind – sagen wir Hunderte oder sogar Tausende von Jahren? Können alle Szenen innerhalb des Lebens eines Menschen oder zumindest innerhalb eines Tages im Leben dieses Menschen privilegiert sein? Was würde dann geschehen? Insbesondere fragen wir: Wie würde sich der Mensch dabei selbst wahrnehmen? Wenn man eine solche Möglichkeit zulässt, ergibt sich, dass das menschliche Bewusstsein prinzipiell viele Szenen oder sogar das ganze Leben als Gegenwart wahrnehmen könnte; es folgt auch, dass man das Bewusstsein im „gewöhnlichen Modus“ als eingeschränkt betrachten kann.
Schließlich sei angemerkt, dass die beiden hier ausführlich untersuchten Zeittheorien – die erste, in der L-Exdurantismus in den Präsenzismus eingebettet ist, und die zweite, die rein präsentistische Theorie (streng genommen gibt es hier keine spezielle präsentistische Theorie, sondern nur allgemeine Prinzipien des Präsenzismus) – rein lehrhaften und demonstrativen Charakter haben. Zeittheoretiker haben bereits so viele Erkenntnisse gesammelt, dass man aus den Ergebnissen ihrer Arbeit verschiedene Zeittheorien ableiten kann, ähnlich wie man aus denselben Bauteilen eines Baukastens verschiedene Spielzeuge zusammensetzen kann, deren Aufbau relativ offensichtlich ist.
Geschaffene Ewigkeit
Es sei noch eine weitere Zeittheorie erwähnt, nämlich die Theorie der geschaffenen Ewigkeit. Die geschaffene Ewigkeit ist der ungeschaffenen, also der Ewigkeit Gottes, ähnlich – ausgenommen natürlich, dass sie geschaffen ist, während jene ungeschaffen ist. Wie es für Ewigkeit zu erwarten ist, besitzt die geschaffene Ewigkeit ein einziges „Jetzt“, und in diesem „Jetzt“ gibt es keinerlei Bewegung oder Veränderung.
Natürlich sieht Gott in Seiner Ewigkeit die Welt mit dieser Ewigkeit so, dass ihr einziges „Jetzt“ auf das einzige „Jetzt“ der Ewigkeit Gottes abgebildet, projiziert wird und umgekehrt.
Philon von Alexandria führt neben dem sinnlich wahrnehmbaren Kosmos auch einen geistig erfassbaren Kosmos ein – ein Äquivalent zu Platons Ideenwelt. In diesem geistigen Kosmos existieren die sogenannten „philonischen Eidosse“. Dabei gibt es nicht nur Eidosse der niederen, am wenigsten allgemeinen, „äußersten“ Arten, sondern auch der höheren, ebenso wie Gattungen sowohl niedriger als auch höherer Stufen. In dieser Hinsicht ähneln die „philonischen Eidosse“ eher Platons Ideen als den Formen des Aristoteles. (In seinen frühen Werken, namentlich in den „Kategorien“, war Aristoteles noch vorsichtig: Er stellte lediglich die Frage nach der objektiven, vom Geist unabhängigen Existenz von Arten und Gattungen. In seinem späten Werk, der Sammlung von Abhandlungen, heute bekannt als „Metaphysik“, behauptete er, dass objektiv nur die niedrigste Art existiert.)
Wie bereits erwähnt, existieren die „philonischen Eidosse“ nicht im sinnlich wahrnehmbaren Kosmos als dessen unsichtbarer Teil, sondern in einer besonderen geistig erfassbaren Welt; und auch hier ähneln die „philonischen Eidosse“ eindeutig eher Platons Ideen als Aristoteles’ Formen.
Die Ausführungen zum „philonischen Eidos“ legen die Vermutung nahe, dass die geistig erfassbare Welt Philons in der Ewigkeit lebt – ähnlich wie die Ideenwelt Platons. Andererseits behauptet Philon, dass seine Eidosse weiterhin von Gott in der Zeit geschaffen werden, auch nach Abschluss des sechsten Schöpfungstages. Es geht hier also nicht um ein paralleles Schaffen aller zeitlichen Teile des geistig erfassbaren Kosmos in der Ewigkeit, sondern um ein sukzessives Schaffen in der Zeit. Somit herrscht im philonischen geistigen Kosmos doch die Zeit, nicht die Ewigkeit.
Dennoch ist es durchaus vorstellbar, ein philosophisches System zu konstruieren, in dem ein geschaffener geistig erfassbarer Kosmos existiert, „bewohnt“ von Eidossen, in dem Ewigkeit herrscht – nämlich geschaffene Ewigkeit.
Die Zeit der Urmaterie
Urmaterie, im Verständnis der altgriechischen Philosophen, insbesondere Platons und Aristoteles’, ist keineswegs das Nichts oder ein körperloses Etwas, das lediglich aufgrund der fehlenden Teilnahme an aristotelischen Formen oder platonischen Ideen definiert ist, wie oft moderne Philosophen schließen. Sie ist vielmehr ein Etwas mit einer bestimmten Qualität, wenn auch nur geringer Ausprägung. Die Urmaterie besitzt diese Qualität aus sich selbst heraus, ohne irgendeine Beziehung zu Formen oder Ideen.
Eine detaillierte Beschreibung der Urmaterie findet sich in Platons Dialog „Timaios“. Dort beschreibt Platon die Urmaterie als etwas mit geringer Qualität, einschließlich einer inneren Struktur. Diese Urmaterie erzeugt die vier Ur-Elemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer), die offenbar heute nicht mehr in reiner Form existieren. Die Urmaterie lässt sich in Teile unterschiedlichen Gewichts zerlegen, und diese Teile können unabhängig voneinander existieren. Diese Teilung ist nicht nur eine Möglichkeit – die Urmaterie ist tatsächlich in viele Teile zerlegt, die sich relativ zueinander bewegen.
Laut Platon kann die Urmaterie durch Umstrukturierung ihrer inneren Beschaffenheit von einem Ur-Element in ein anderes übergehen. Doch selbst die Urmaterie in Form der vier Ur-Elemente ist bereits nicht mehr die eigentliche Urmaterie, denn es gab eine „primärere“ Urmaterie, die den vier Ur-Elementen vorausging. Diese war innerlich instabil und durch gegensätzliche Kräfte zerrissen, wodurch sie in die vier Ur-Elemente transformiert wurde. Wenn Platon von Urmaterie spricht, meint er nicht nur die „ursprünglichste“ Urmaterie, sondern auch die Urmaterie in Form der vier genannten Ur-Elemente, aus denen die bekannten Elemente entstanden sind.
Platon zufolge war diese Urmaterie in Form der vier Ur-Elemente ursprünglich chaotisch vermischt, wobei die kleinen Teile in Bewegung waren. Dennoch erfolgte eine natürliche Separation (gemäß dem Gewicht der Teilchen): Die Proto-Erde nahm die unterste Position ein, darüber lag das Proto-Wasser, dann das Proto-Luft-Element, und darüber das Proto-Feuer. Auf diese Weise erlangte die „Welt der Urmaterie“ eine gewisse Ordnung und Struktur, unabhängig von einer Beteiligung an Ideen und ohne Eingreifen des Demiurgen. Erst danach begann der Demiurg, die Welt zu schaffen, sie zu gestalten und dabei Ideen als Vorbilder und Maßstäbe zu verwenden.
Wir betonen: Sowohl die Urmaterie vor den vier Ur-Elementen als auch die Urmaterie in Form dieser vier Ur-Elemente sind vollständig frei von Verbindung mit aristotelischen Formen oder Beteiligung an platonischen Ideen; jede Qualität ist ihr eigen, nicht vermittelt durch Form oder Idee.
Im Schöpfungsprozess entstanden aus der Proto-Erde verschiedene Metalle und Mineralien, aus dem Proto-Wasser unterschiedliche Flüssigkeiten und so weiter. Somit existiert neben der Realität Gottes, dem sinnlich wahrnehmbaren Kosmos als Schöpfung mit Materie und Eidosen als Ausgangspunkten und dem geistigen Kosmos (bei Philon als Schöpfung) auch eine eigene „Realität der Urmaterie“; sie ging der Realität des sinnlich wahrnehmbaren Kosmos voraus. Diese Realität der Urmaterie kann man ebenfalls als eine Art „Kosmos“ bezeichnen, denn sie ist, wenn auch nur in geringem Maße, „geschmückt“ – nicht mit Formen, sondern mit gewisser Qualität und Ordnung. Das Wort „Kosmos“ bedeutet ja ursprünglich etwas Geordnetes, Geschmücktes und Schönes.
Wenn Urmaterie eine besondere Realität in diesem Sinne ist, stellt sich die Frage: Welche Zeit ist ihr eigen, in welcher Zeit existiert sie? Wir erinnern daran, dass wir vereinbart haben, dass Zeit für ein Objekt, einschließlich des Kosmos, etwas Inneres (intrinsic) und nicht Äußeres (extrinsic) ist, also dem Objekt innewohnt wie seine inneren Eigenschaften.
Philon ging davon aus, dass die Welt aus Urmaterie durch den schöpferischen Akt Gottes hervorging, bei dem Gott Ordnung in den sinnlich wahrnehmbaren Kosmos brachte, indem er Formen (oder genauer: „philonische Eidosse“) mit Materie verband. Durch diese Ordnung entstand die gewöhnliche Zeit mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; der Kosmos entstand innerhalb dieser Zeit und zusammen mit ihr. Philon folgte Platon darin, dass die Zeit im Kosmos mit der Schöpfung der Himmelskörper entstand. Gleichzeitig betrachtete er die Schöpfung als einen Augenblickakt, sodass die Schrift bei der Rede von sechs Schöpfungstagen lediglich dem menschlichen Bedürfnis nach Schrittfolge Rechnung trägt.
Demnach kann laut Philon von der Schöpfung der Zeit zusammen mit den Himmelskörpern nur im logischen, nicht im historischen Sinne gesprochen werden. Logisch ist anzunehmen, dass die eigene Zeit der Urmaterie nahezu jeglicher Ordnung entbehrt – wenn auch eine sehr geringe Ordnung vorhanden ist – und dass es daher keinen Grund gibt, in dieser Zeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im gewohnten Sinn zu sprechen. Ebenso wenig kann man annehmen, dass die eigene Zeit der Urmaterie eine Ewigkeit darstellt, denn Ewigkeit wird als eine höhere Form der Zeit verstanden. Die eigene Zeit der Urmaterie ist ein extrem degeneriertes Zeitmaß, mit minimaler Ordnung – „fast keine Zeit“ im Vergleich zu anderen Zeitformen.
Da in der eigenen Zeit der Urmaterie weder Vergangenheit noch Gegenwart noch Zukunft existiert (zumindest im gewohnten Sinn), sondern nur etwas, das schwer, wenn nicht unmöglich zu erfassen und zu beschreiben ist, ist es sinnlos zu fragen: Was war vor der Schöpfung des sinnlich wahrnehmbaren Kosmos? – Denn „logisch vor“ seiner Schöpfung in seinem „Keim“, der die Realität der Urmaterie war, gab es kein „Zuvor“. Man kann nur sagen, dass die Realität der Urmaterie der Realität des sinnlich wahrnehmbaren Kosmos vorausging. Einige mögen annehmen, dass der Realität der Urmaterie jegliche Zeit fehlt; doch wie lässt sich Existenz überhaupt ohne irgendeine Zeit vorstellen? Und Urmaterie ist Existenz, wenn auch bis an die Grenze degeneriert, nicht Nicht-Existenz.
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Dieser Artikel wurde von Sykalo Yevhen zusammengestellt und redigiert — Bildungsplattform-Manager mit über 12 Jahren Erfahrung in der Entwicklung methodischer Online-Projekte im Bereich Philosophie und Geisteswissenschaften.
Quellen und Methodik
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Zuletzt geändert: 01/10/2025